EIN ABEND IM Ä - HERBST KONZERTE TAG 2: BERLIN

Was soll ich sagen.. Berlin! Ganz viele tolle Leute mit offenen Ohren und Herzen; aber auch so viele, die es diesen Leuten schwer machen den Abend genießen zu können..


Zu erst einmal möchte ich euch bitten, diesen Artikel, wenn ihr ihn lest, auch bis zu Ende zu lesen, denn das wichtigste folgt am Schluss.
Meine Fahrt nach Berlin war super entspannt und ich kam so gegen 19:00 Uhr im Ä Neukölln an. Ich hatte vergangenes Frühjahr schon einmal dort gespielt - damals mit Henja als Support und dadurch auch mit einem etwas längerem Set als gestern.
Mir war vorher nicht wirklich aufgefallen, dass jeder der beiden eingeladenen Musiker für den Abend nur 30 Minuten Zeit hatte. 2 1/2 Stunden Fahrtzeit pro Strecke für 30 bis 35 Minuten Setlänge ist nun wirklich nicht das beste Verhältnis für mich. :D Anyway.. darum geht’s mir heute eigentlich gar nicht.

Der Abend fing eigentlich überraschend gut an. Tanja, die Veranstalterin vom Ä und auch Tata, die nette, armenische Barkeeperin, waren super lieb und entspannt. Vor allem Tata war mir gleich sympathisch, da auch sie - wie ich - keinen Alkohol trinkt und wir so gemeinsam den Abend mit einem Tee einleuten konnten! :)
Während des Soundchecks waren - da es ja eine reguläre Bar ist - schon so 15 bis 20 Leute im Raum und da diese anscheinend Bock auf Musik hatten und mich nicht übel fanden, kamen wir gemeinsam auf die grandiose Idee, ich könnte doch ein kleines Vorab-Konzert spielen - why not! Gesagt, getan.

Was mir da aber noch nicht bewusst war, war die Tatsache, dass die lieben Damen und Herren, die zu diesem Zeitpunkt im Laden waren, um einiges aufmerksamer waren, als dann das eigentliche Publikum.. vielleicht hätte ich dann noch 1-2 Songs mehr gespielt, denn das hatte deutlich mehr Freude gemacht. :D

Mein reguläres Set ging dann von 21:30 bis 22:00 Uhr und sah so aus:

1. How Beautiful This Blue
2. Bridge of Stone
3. Green Tea Box
4. Foxes
5. In Lights
6. Love Love Love
7. No Other Love

So, ich hab gerade gemerkt, dass meine vorherige Erwähnung des Publikum etwas platt war. Also etwas detaillierter das Ganze: Ich hatte Freude beim Spielen und ich glaube, dass 50% der anwesenden Leute im Ä auch gerne und intensiv zugehört, mitgesungen und mitgemacht haben. Leider waren dann halt immer wieder die anderen 50% so nervig laut und völlig abwesend, dass ich mir teilweise dachte, ich könnte eigentlich singen und erzählen, was ich will.. Was für ein dummes Gefühl.
Hand auf’s Herz. Ich versteh ja, dass es eine Bar ist und neuerdings alle „coolen", jungen Leute jeden Tag Alkohol trinken müssen, keinen Sinn mehr für Respekt haben und von den Werten brauch ich hier gar nicht anfangen; aber ehrlich: Der Raum in dem das Konzert stattfand, war sogar separat vom eigentlichen Bar-Raum. Also: Warum kommen diese Leute überhaupt zum Konzert, um dann im Endeffekt nur zu reden und lauter zu sein, als ich singe oder spiele. Falls sich hier jemand ertappt fühlt, ich hab offene Ohren für Feedback.

Auch für den lieben Peter, der nach mir gespielt hat und echt gut war, war es alles andere als dankbar; und man konnte ihm die Genervtheit förmlich ansehen.. Auf diese Art und Weise muss sich keiner mehr wundern, wenn es gute Musik irgendwann nicht mehr auf Hut geben wird, sondern nur noch mit Eintritt; wenn überhaupt. Und ich bin traurig darüber, dass dieser Mangel an Feingefühl und Wertschätzung so „normal“ geworden ist, dass es anscheinend nur noch einer Hand voll Leuten auffällt.. von der monetären Wertschätzung übrigens mal ganz abgesehen.

Ich möchte das hier aber mit was Nachhaltigem beenden. Mir war’s wichtig „No Other Love“ am Ende des Sets zu spielen. Das sollte nämlich mein letzter Song sein. Ich hab es schon ein wenig angekündigt und ich werd es auch nochmal etwas genauer mitteilen, warum und wieso ich mich entschlossen habe, erst einmal keine Konzerte mehr zu spielen und keine Alben mehr zu produzieren.
Ich bin euch, die eben doch noch Wert auf handgemachte, authentische Musik legen, aber trotzdem unendlich dankbar, für die vielen tollen Erinnerungen, die ich jetzt mit ins neue Jahr nehmen kann und die mir auch sicherlich meine Auszeit versüßen werden! Schon alleine das Konzert im Molotow in Hamburg oder eines der vielen Konzerte im Täubchenthal in Leipzig waren absolute Meilensteine für mich.
Und der Grund, warum ich „No Other Love“ am Ende spielen wollte ist, dass ich mich insbesondere zu diesem Schritt der Pause entschlossen habe, weil ich meinen Fokus verändern möchte und dieser Song, den ich vor 1-2 Wochen geschrieben habe, genau das für mich symbolisiert. Freiheit und Neuanfang - Neuorientierung und Freisetzung. Alles mal mit Abstand betrachten.
Ich will mich mehr in meiner Gemeinde investieren; mehr meiner Berufung folgen, dem Leben wieder Bedeutung zu geben, und Jesus besser kennenlernen und seine Werte mehr und mehr verbreiten.
Musik war 6 Jahre lang, neben meiner Frau, der größte Teil meines Lebens und ich würde das auch jederzeit wieder alles so machen. Allerdings merke ich seit einiger Zeit, dass mir gewisse Rahmenbedingungen, Strukturen und Abläufe nicht gut tun und mir mehr Lebensfreude nehmen, als mir die wunderbaren Menschen auf den Konzerten zurückgeben können. Das heißt also: Pausetaste und Neuorientierung. Das heißt, dass ich mir die Frage stellen will: Was muss sich und was muss ich verändern, damit es mir wieder Freude bereitet?

Ich bin gespannt, wie lange ich pausiere, und in welcher Form ich zurückkomme. Ich halt euch auf jeden Fall auf dem Laufenden und, wie gesagt, ich setz mich in den nächsten Tagen nochmal hin und mach ein kleines, besser erklärendes Video für euch. Hört weiter meine Musik! Die kommt von Herzen. Bis bald, Sascha.